Ausstellungen sowie Scheunen- und Garagenfeste

Dorftreff Reyershausen bereichert Dorfleben mit vielen, auch kulturellen Events

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Im „mittendrin“ in Reyershausen sind an diesem Abend ein Dutzend Aktiver aus dem Dorftreff Reyershausen zusammengekommen, um gemeinsam für die Zukunft zu planen. Das soziale Miteinander im Dorf stärken und mehr Kultur zu den Menschen bringen, das ist das Ziel des jungen Vereins. Dafür hat er mit dem „mittendrin“ eine Begegnungsstätte im Dorf geschaffen und organisiert  dort viele Veranstaltungen von Lese- und Singabenden über Radtouren und Bastelnachmittage bis hin zu Theateraufführungen oder einem Flohmarkt.

Seinen Anfang nahm der gemeinnützige Zusammenschluss im Jahr 2016. Damals kamen etwa 20 Aktive für das Dorf zur „Dorftreff- Initiative“ zusammen. Sie wollten das Gespräch unter den Einwohnern verbessern und so bewirken, dass Veranstaltungen jeglicher Art in dem Dorf besseren Anklang fänden. Außerdem hatten sie viele Ideen, um das Dorfleben attraktiver zu machen. So organisierten und verbesserten sie nicht nur bereits etablierte Events, sondern sie riefen auch neue ins Leben: eben Bastelnachmittage, gemeinsamen Sport, Ausstellungen, Scheunen- und Garagenfeste. Genutzt werden schon lange nicht mehr nur die etablierten Veranstaltungsorte wie die Turnhalle oder das Gemeindehaus. Auch in privaten Scheunen wird inzwischen mit dem ganzen Dorf "getanzt". Zu Corona-Zeiten brachten die Macher im Verein Musik auf einem Anhänger zu den Menschen: Mit einem Trecker fuhr zum Beispiel der Göttinger Musiker Jan Finkhäuser durchs Dorf und brachte nicht nur diesmal Stimmung ins Dorf.

Weil es so gut lief, entschlossen sich die Initiatoren, dem Projekt einen geregelten Rahmen zu geben: Seit September 2018 agiert der Dorftreff als eingetragener, gemeinnütziger Verein. Das aber heißt keinesfalls, dass die Aktionen nur Vereinsmitgliedern vorbehalten wären. Alle Interessierten aus Reyershausen und den umliegenden Dörfern, aber auch darüber hinaus können von dem großen Engagement profitieren. Spontan kehren hin und wieder Autofahrer auf dem Weg durch Reyershausen ins „mittendrin“ ein – die Begegnungsstätte liegt direkt an der Bundesstraße und ist in der Regel Freitagabends geöffnet.

Der Umbau der ehemaligen Fleischerei in die einladende Kultur- und Begegnungsstätte war eine große Kraftanstrengung, die sich über eine lange Zeit hinstreckte.  Mehr als zwei Jahre hat der Verein nach seiner Gründung gebraucht – auch wegen den Einschränkungen durch Corona –, um die Innenräume zu renovieren und den gesetzlichen Vorgaben gemäß mit Brandschutz und unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften umzubauen. Dafür hat der Dorftreff viele, auch große Spenden erhalten. Der Ausbau einer behindertengerechten Toilette wurde mit LEADER-Mitteln möglich. Auch vom Bundesverband Sozikultur konnte der Verein Unterstützung einwerben. Parallel zu den baulichen Aktivitäten haben die Verantwortlichen ein Leitbild entwickelt und erste Ideen dafür geschärft. Die Gemeinde mit Bürgermeister Thomas Brandes sowie der Landkreis unterstützten das Projekt, berichten die Aktiven dankbar.

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Drei Erwachsene stehen an einer Flipchart, im Vordergrund sitzt eine junge Frau mit einem Baby auf dem Schoß.
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ute Lawrenz
Vereins- und Vorstandsmitglieder bei der Planung der kommenden Zeit im Dorftreff Reyershausen

Ihr Engagement blieb nicht ohne Erfolg. So war der Dorftreff Reyershausen e.V. beim Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) „Miteinander reden“ erfolgreich. Die Dorfmoderatoren Paulhartwig Becker, Ulrike Eckes und Swantje Eigner-Thiel, die vom Landkreis dazu ausgebildet wurden, Ideen für die Dorfgemeinschaft umzusetzen, halfen dabei, Wünsche wahr werden zu lassen. Eine Lesegruppe stellt mittlerweile regelmäßig Lesungen auf die Beine, ein weiteres Team macht sich immer wieder auf, um die Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden. Das Festkomitee hat bereits mehrere Scheunenfeste mit gutem Zulauf organisiert, das ganze Dorf bot Platz für einen großen Flohmarkt.

Weil es für all das auch Öffentlichkeit braucht, kümmert sich eine Abteilung darum, den Verein und seine Aktionen bei den Einwohnern im Dorf bekannt zu machen. Viel soll sich in Reyershausen auch für die älteren Bewohner ändern. In einem Schaukasten beim „mittendrin“ wird auf die Veranstaltungen und Aktionen hingewiesen. Mit Hilfe eines „Schwarzen Bretts“ hat sich eine Tauschbörse gebildet.

Zwar haben insbesondere durch Corona viele Menschen den Wert des Dorflebens erkannt, doch in dem Dorf mit knapp 1000 Einwohnern liegt trotz des Neubaugebiets das Durchschnittsalter immer noch über 50 Jahren. So ist es das Ziel einer weiteren Gruppe, die älteren Menschen in Reyershausen wieder stärker ins Dorfleben einzubinden. Ein Erzählcafé sowie ein monatlicher Tag mit Suppenküche sollen ihnen Gelegenheiten bieten, mehr mit anderen ins Gespräch zu kommen.

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Engagierte des Dorftreff Reyershausen vor dem Begegnungsort "mittendrin"
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ute Lawrenz
Engagierte aus dem harten Kern von etwa 30 Aktiven vor dem „mittendrin“

Dabei war eines für alle klar: Es muss weitergehen, um im Gespräch zu bleiben

Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen ist der Verein aktiv geblieben. Um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken, wurde das “mittendrin“ geschlossen. Doch Freiwillige haben anderen, die Hilfe brauchten, ihre Unterstützung geboten. Wer seine Einkäufe nicht mehr erledigen konnte, vielleicht weil er Angst vor Ansteckung hatte, konnte sich an den Dorftreff wenden.

Andreas Herz aus dem Vorstand erzählt von den Schwierigkeiten wegen Corona. Ohne Veranstaltungen habe der Verein auf Einnahmen verzichten müssen. Auf die wie auf die Spenden, so erläutert Herz, sei der Dorftreff angewiesen, um die monatlichen Kosten von etwa 900 Euro zu stemmen. Die großen Fensterflächen an der Durchgangsstraße standen deshalb für Grußbotschaften oder Werbung zur Verfügung. In Absprache mit dem Getränkemarkt im Dorf verkaufte der Verein seinen Getränkevorrat. Auch die Ginflaschen zur Tisch-Deko – geleert, mit Lichterkette verschönt - wurden gegen Spenden abgegeben.

Dabei war eines für alle klar: Es muss weitergehen, um im Gespräch zu bleiben; deshalb setzte sich auch die Idee mit Beat durch, eine rollende Band durchs Dorf zu schicken. Mit „Schnappschüssen von unserem Dorf“ konnten alle Reyershäuser bei einem Fotowettbewerb mitmachen.

Das große Engagement trägt erste Früchte: Immer mehr Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich einzubringen, kommen zu den monatlichen Vereinsversammlungen zur Planung künftiger Aktionen und zu den wöchentlichen offenen Abenden freitags. Immer mehr Freiwillige engagieren sich ehrenamtlich für das Dorf, erfüllen Hausmeistertätigkeiten, übernehmen Fahrdienste oder stehen auch mal am Freitag im „mittendrin“ hinter der Theke, zieht der Verein zufrieden Resümee.

Autor:in

Ute Lawrenz

Journalistin und Autorin des kulturis-Magazins

Im Artikel genannt

Im Artikel genannt

mittendrin Reyershausen

Kultur- und Begegnungsstätte des Dorftreff Reyershausen e.V.
Adresse
Kirchstraße 1, Reyershausen